„Wir sind in erster Linie Sportler“ – Stefan Herbst im Interview

8 Mai, 2008 um 1:19 pm | Veröffentlicht in Schwimmen | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , ,

 Mit Rang vier bei den deutschen Meisterschaften über 200 Meter Freistil hat sich Stefan Herbst (29) das Ticket für seine dritten Olympischen Spiele gesichert. Im Interview sprach er über Peking und seine Ziele.

Hattest Du damit gerechnet, dass Du Dich noch einmal gegen die jungen Talente durchsetzten und Dir die Fahrkarte nach Peking erschwimmen kannst?

Das war das klare Ziel. Ich hab mich schließlich vier Jahre lang intensiv vorbereitet. Es war zwar knapp, aber ich bin froh, dass es geklappt hat. Es wäre schon enttäuschend gewesen, hätte ich es nicht geschafft.

Du bist bei Olympia für die 4×200 Meter Freistil-Staffel vorgesehen. Was glaubst Du, könnt Ihr erreichen?

Finale ist Pflicht und alles weitere kann man jetzt noch nicht abschätzen. Zunächst einmal muss ich mir meinen Startplatz sichern. Die Staffelplätze, also wer wo startet, schwimmen wir noch einmal gesondert aus. Wir müssen auch erst einmal abwarten was die Konkurrenz so macht. Die Amerikaner zum Beispiel haben erst noch ihre Ausscheidungswettkämpfe.

Cheftrainer Örjan Madsen hat Anfang des Jahres als Zielstellung für das Team vier bis fünf Medaillen vorgegeben. Inwieweit hältst Du das für machbar?

Ach, hat er das? Das höre ich gerade zum ersten Mal. Also ich habe es noch nicht von ihm selbst gehört und werde solange dazu auch erstmal nichts sagen.

Einige Sportler haben bereits angekündigt der Eröffnungsfeier fernzubleiben oder bestimmte Protestarmbänder zu tragen, um auf die Menschenrechtslage in China und die Situationin Tibet aufmerksam zu machen. Planst Du auch etwas in der Richtung?

Wir haben im Team schon darüber gesprochen und müssen nun erst einmal schauen, was überhaupt möglich ist. Aber wir werden sicher etwas machen, dann aber wohl mit den anderen deutschen Sportlern zusammen.

Spürst Du einen gewissen Druck, Dich zu den Problemen äußern zu müssen ?

Es ist nicht wirklich so, dass ich es als einen Druck empfinde. Aber wir sind in erster Linie Sportler. Man hat dann schon manchmal das Gefühl, von heute auf morgen Menschenrechtler sein zu müssen. Das Problem ist, dass wir zu wenig wissen. Alles was ich über Tibet weiß, hab ich aus den Medien erfahren. Aber wie gesagt ich bin kein Menschenrechtler, daher hab ich da auch nicht so den Durchblick. Also das ist jetzt natürlich nur meine persönliche Meinung.

Der DSV hat sich nun auch festgelegt, welche Trainer euch in Peking betreuen werden. Unter ihnen ist auch Deine Mutter und Trainerin Eva Herbst. Wie wichtig ist es, dass bei einem Höhepunkt wie Olympia das gewohnte Gesicht am Beckenrand steht?

Es ist ein Riesenvorteil, wenn der Heimtrainer dabei ist. Sie trainiert mich jetzt schließlich schon seit 17 Jahren. Allerdings muss ich auch sagen, ich bin alt genug um mich auch ohne Trainer professionell zu verhalten.

Du gehörst nun schon zu den Älteren im Team, es sind ja bereits deine dritten Olympischen Spiele. Gibst Du den Jüngeren in der Mannschaft Tipps, wie sie zum Beispiel mit der Nervosität umgehen sollen?

Ich bin selber noch genauso nervös wie vor zehn Jahren. Vielleicht kann ich mir da selber noch ein paar Tipps geben. Aber einige sind da jetzt schon ziemlich abgebrüht. Sicherlich, man unterhält sich darüber, aber wir machen deswegen keine große Fragerunde.

Die Frage nach dem Wettkampfanzug hat sich nun auch geklärt. Ihr müsst im Material des Ausstatters Adidas schwimmen. Der neue Wunderanzug von Speedoist damit für Euch tabu. Empfindest Du das als einen Wettbewerbsnachteil?

Nein, nicht direkt. Zu 99 Prozent ist erstmal der Schwimmer entscheidend. Natürlich spielt der Anzug auch eine gewisse Rolle, aber wir versuchen mit Adidas noch eine Lösung zu finden um uns weiter zu verbessern, sodass wir bei Olympia einen gleichwertigen Anzug haben.

Wirst Du Dir noch weitere Wettkämpfe anschauen, wenn Ihr mit den Schwimmwettbewerben fertig seid?

Wenn wir fertig sind, werden wir sicher versuchen, so viele andere Sportarten wie möglich zu sehen. Natürlich in erster Linie die Wettkämpfe im Freiwasserschwimmen, aber auch andere. Mich persönlich interessiert da am meisten Basketball.

Du wirst bei den Olympischen Spielen in Peking bereits 30 Jahre alt sein. Wie lange soll es danach noch für Dich weiter gehen?

Normalerweise ist geplant, dass ich bis 2010 weitermache. Ich muss aber erstmal schauen wie der Körper da mitmacht. Nach Olympia werde ich im September erst einmal alles etwas ruhiger angehen und dann enscheiden, wie es weitergeht.

Danke für das Gespräch und viel Glück in Peking. 

Advertisements

1 Kommentar »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

  1. […] Herbst durchsetzen und wird neben Christian Kubusch und Benjamin Starke starten. Herbst hatte im Interview im Mai die Finalteilnahme als Mindestmaß ausgegeben, doch angesichts der in der Breite nicht schlecht […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: