Systematisches Doping in Griechenland?

16 Mai, 2008 um 11:35 am | Veröffentlicht in Schwimmen | 2 Kommentare

Griechenlands Top-Schwimmer Ioannis Drymonakos ist des Dopings überführt. Vor dem Europameister wurden Anfang April bereits elf Mitglieder der griechischen Gewichthebernationalmannschaft positiv getestet. Bei allen Sportlern wurde das Steroid „Methyltrienolon“ nachgewiesen. Es sind die ersten Fälle, dass dieses als hochtoxisch charakterisierte Mittel bei Spitzenathleten auftritt.

Es war der größte Augenblick der griechischen Schwimmgeschichte: Ioaniss Drymonakos holt sich in einem Herzschlagfinale Gold über 200 Meter Schmetterling bei den Europameisterschaften im März diesen Jahres. Gleichzeitig knackte er auch die bestehenden kontinentale Bestmarke. In 1:54,16 schwamm er die zweitbeste je erzielte Zeit auf dieser Strecke, nur Überschwimmer Michael Phelps war schneller. Doch diese Leistung kam mehr als überraschend. Vor den Wettbewerben von Eindhoven hatte Drymonakos noch eine fast zweieinhalb Sekunden langsamere Bestzeit zu Buche stehen – eine enorme Steigerung für Athleten auf diesem Niveau. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rekorden in diesem Jahr wurde dieser auch nicht in dem neuen Speedo-Wunderanzug erreicht. Doch Drymoniakos scheint schon kurz nach den Europameisterschaften geahnt zu haben, was auf ihn zukommen wird. Nach dem Skandal um elf gedopte griechische Gewichtheber meinte er damals: „Ich bin furchtbar verärgert. Hoffentlich erwischt es uns jetzt nicht alle.“

Das Supersteroid „Methyltrienolon“

Das ungewöhnliche an der ganzen Sache: Alle griechischen Sportler wurden positiv auf das selbe verbotene Mittel getestet. Das Steroid „Methyltrienolon“ soll eine tausendfach stärkere Wirkung als Testosteron haben. Zudem wird es als hochtoxisch beschrieben. Bereits vor 45 Jahren wurde es erstmals künstlich hergestellt, doch auf Grund seiner Nebenwirkungen wurde es nicht zu medizinischen Zwecken weiterentwickelt. Doch wie viele der Mittel auf der Dopingliste hat Methyltrienolon auch eine Wirkung, die es zu einer Versuchung für Sportler macht: Es wirkt muskelaufbauend, auf Grund seiner chemischen Struktur hat es eine ums vielfache stärkere anabole Wirkung als andere Steroide.

Systematisches Doping?

Bis zu diesem Jahr wurde Methyltrienolon noch nie bei Dopingtests von Spitzensportlern nachgewiesen. Jetzt wurden innerhalb eines Monats bereits zwölf Fälle bekannt. Alle wurden durch unangemeldete Trainingskontrollen ermittelt. Das pikante an der Sache jedoch ist, dass die Probe von Drymonakos vom griechischen Oaka-Dopinglabor zunächst negativ gestestet wurde. Erst als die Proben der Gewichtheber, welche an das Kölner Dopinglabor gingen, positiv getestet wurden, ordnete man Analysen älterer Proben des Oaka-Labors an. Die negativen Befunde werden nach Expertenaussagen darauf zurück geführt, dass dieses Labor gar nicht auf Methyltrienolon testete. Stimmen werden laut, dass dies möglicherweise den Verantwortlichen in den griechischen Verbänden bekannt war, sodass gezielt das Mittel verabreicht werden konnte. Es lässt sich zumindest nicht von der Hand weisen, dass zwölf von zwölf positiven Methyltrienolon-Proben von Sportlern aus dem Mittelmeerstaat kommen. Daher liegt es durchaus nahe, eine Systematik dahinter zu erkennen. Ob es wirklich eine solche gibt, werden die kommenden Wochen zeigen, denn nun sollen weitere ältere Proben auf Methyltrienolon getestet werden.

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  1. […] interessanten Beitrag zu diesem vermeitlich systematischen Doping in Griechenland gibt es bei dem Sportsworldblogger. Der Beitrag ist Abgelegt in: Erwischt Beiträge die sie auch interessieren […]

  2. […] acht mal bei den Spielen selbst. Natürlich sind die Doper den Kontrolleuren immer vorraus und auch Schwimmer können auf Doping zurückgreifen . Doch sogut wie jedes Mittel spricht sich rum, allein weil dessen Anbieter Abhnehmer finden will. […]


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