Späte Reue oder taktische Vorsicht?

5 April, 2009 um 7:14 pm | Veröffentlicht in Olympia 2008, Schwimmen | Hinterlasse einen Kommentar

China gibt sieben Dopingfälle bei Schwimmern im Olympiajahr 2008 zu

Li Hua, Direktor des chinesischen Schwimmverbandes (CSA), gab auf einer Antidoping-Konferenz bekannt, dass es im vergangenen Jahr sieben Dopingfälle von Schwimmern aus dem Land des Olympiagastgebers gab. Bisher war nur der Fall des Rückenschwimmers Kunpeng Ouyang bekannt, der im Mai 2008 positiv getestet wurde. Ob dieser zu den von Li Hua bestätigten Fällen zählt, ist jedoch unklar. Dass die Dopingvergehen jetzt, Monate später, überhaupt bekannt wurden, liegt wohl daran, dass China einer mehrmonatigen Sperre für den gesamten Schwimmverband entgehen will.

Eine Schwimmerin und sechs Schwimmer aus China wurden im Jahr 2008 positiv getestet. Laut den Dopingkontrollregeln des internationalen Schwimmvereinigung FINA würde dem gesamten chinesischen Schwimmverband damit eine Sperre von bis zu zwei Jahren drohen. Denn wenn innerhalb von 12 Monaten vier oder mehr Schwimmer eines Mitgliedslandes positiv getestet werden, wird der gesamte Verband aus dem Verkehr gezogen. Damit würde chinesischen Schwimmern ein Ausschluss von den Weltmeisterschaften im Juli in Rom drohen. Doch diese Regel bietet ein Schlupfloch, durch welches die Verantwortlichen des CSA anscheinend noch schnell entwischen wollen. Werden die Dopingfälle nämlich durch die jeweilige nationale Antidopingagentur oder den nationalen Verband bekannt gegeben, entfällt die Sanktionierung des gesamten Verbandes. Dies scheinen die CSA-Offiziellen nun nutzen zu wollen, bevor die betroffenen Sportler in eine Kontrolle durch FINA oder WADA geraten könnten, sei es im Training oder bei einem Wettkampf.

Um welche ertappten Athleten genau es sich handelt, ist noch unbekannt. Laut Aussage von CSA-Direktor Li Hua wurden alle positiv auf Clenbuterol getestet. Ein Dopingmittel, dass durch die Verwendung im DDR-Sport auch bei uns unrühmlich bekannt wurde und noch heute von Spitzensportlern weltweit missbraucht wird. So wurde vor den Olympischen Spielen auch die US-Medaillenhoffnung über die Bruststrecken, Jessica Hardy, positiv darauf getestet. Auch der im Mai erwischte chinesische Rückenschwimmer Kunpeng Ouyang hatte Clenbuterol genommen. Ob er jedoch zu den jetzt bekannt gewordenen sieben Schwimmern zählt ist noch unklar. Er und sein Trainer wurden nach seinem positiven Test zunächst lebenslang vom chinesischen Verband gesperrt. Doch dies soll nachträglich auf zwei Jahre gesenkt worden sein. Die von Li Hua bekannt gegebenen Fälle wurden jedoch alle auf Lebenszeit gesperrt.
Warum die Fälle erst so spät publik gemacht wurden, lässt durchaus Fragen offen. Der chinesische Verband kam mit der überraschenden Bekanntgabe, einen Tag bevor heute die nationalen Meisterschaft starteten, wohl der drohenden Gefahr zuvor.

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